NOAH CONFERENCE JUNI 2018, BERLIN

Wie wir morgen leben, uns ernähren, bewegen, kommunizieren, produzieren, wie wir mit Geld umgehen, Handel treiben: Das entscheiden auch die Passagiere der NOAH Konferenz, darunter zahlreiche Unicorns. ALPORA war dabei und wundert sich: Uber fährt im Kreisverkehr und die Blockchain taucht eher am Rand auf.

Wer beeinflussen kann, wie die Welt von morgen tickt, trifft sich auf der jährlich stattfindenden invite-only NOAH Conference, dem wichtigsten Branchenevent der europäischen Digitalwirtschaft. Hier werden Kontakte geknüpft, Investoren gesucht, Geschäfte angebahnt. Eingeladen sind die VIPs der Start-up-Szene, der traditionellen Wirtschaft und der Finanzindustrie. Die einen haben die Ideen und das Know-how, die anderen das Kapital, um die digitale Entwicklung Europas voranzutreiben, in den Bereichen Mobility, Healthcare, Science & Education, Fintech, Payment, E-Commerce, Adtech, Restaurants & Food Delivery, B2B & Software sowie Industrials & IoT.

Dr. Julian Kauffeldt von ALPORA hat sich bei NOAH umgesehen und auf die Suche nach den innovationsfreudigsten und wirtschaftlich aussichtsreichsten Start-ups gemacht.

Besonders zwei Branchen konnten auf der NOAH Konferenz mit innovativen Ideen punkten: Mobility und Fintech. Mobility Start-ups gelingt es mit Big Data Analysen, Transport effektiver und günstiger zu machen; Sharing Modelle sind eine Alternative zum Privatauto; und autonomes Fahren kann die fahrerzentrierte Fortbewegung erleichtern oder ersetzen.

Mobility meets Big Data

FlixBus kennt jeder – und jeden. Das Erfolgsrezept von FlixBus und vergleichbaren Mobility-Anbietern: Sie sind Transportunternehmen und Datensammler zugleich. Die Daten sammeln sie anhand der Fahrpläne, Fahrkarten und Kundenkommentare, u. a. um das Angebot laufend zu optimieren. Das 2013 gegründete Fernbusunternehmen hat in Deutschland einen Marktanteil von 93 Prozent, ist in 28 Ländern Europas unterwegs, bietet als FlixTrain auch Zugfahrten an und macht seit Mai 2018 den legendären Greyhound-Bussen in den USA Konkurrenz.

BlaBlaCar ist die digitale Version der ehemaligen (studentischen) Mitfahrzentralen. Das Zettelgewirr am Schwarzen Brett wird durch die Homepage des Unternehmens und eine App ersetzt. Mitglieder können Fotos von sich hochladen und Daten wie Alter, Musikgeschmack, Interessen veröffentlichen, Fahrer ihr Auto mit Angaben zu Marke und Modell nennen. Damit entwickelt sich die Mitfahrzentrale gleichzeitig zum sozialen Netzwerk: gut, um eine möglichst angenehme gemeinsame Fahrt zu erleben und besser noch für den Datenbestand des fahrenden Netzwerkes.

Kopernikus Automotive will nicht weniger als zur kopernikanischen Wende vom fahrerzentrierten zum AI-gelenkten Fahren beitragen. Die ambitionierten Gründer Stefan Jenzowsky und Tim von Törne entwickeln Retrofit-Lösungen, Nachrüstprodukte, um jeden normalen Pkw in ein autonomes Fahrzeug zu verwandeln – zu erschwinglichen Preisen. Autofahrer können sich ihren Nachrüstsatz bereits auf der Unternehmenshomepage reservieren; dass sie ihn in naher Zukunft auch kaufen können, ist aus rechtlichen Gründen dagegen unwahrscheinlich.

Einen echten Wow-Effekt landete bei NOAH der Bruchsaler Überflieger Volocopter mit seinem gleichnamigen Lufttaxi. Der futuristisch anmutende Multikopter musste in Berlin zwar trotz seiner Fluglizenz auf dem Boden bleiben, beflügelte dennoch den Traum vom autonomen Fliegen für Alle.

Und was ist mit Uber, dem einstigen Hoffnungsträger der Marktliberalen und Gottseibeiuns klassischer Taxler? CEO Dara Khosrowshahi, Gastredner beim Eröffnungsdinner, schien selbst nur gedämpft begeistert von Ubers „neuer“ Idee zu sein, in deutschen Grossstädten elektrische Leihfahrräder anzubieten und Fahrten mit Elektrofahrzeugen zu vermitteln. Der chinesische Fahrdienst Didi Chuxing nutzt den Stillstand, um den einstigen Überflieger zu uberholen.

Fintech: App statt Bankfiliale

Neben dem Thema Mobility glänzte auch die Fintech-Branche bei NOAH mit Innovations- und Investitionskraft: Im ersten Quartal 2018 investierte allein die deutsche Fintech-Branche 295 Millionen Euro – auf 148 Milliarden Euro prognostiziert das Bundesfinanzministerium das Marktvolumen im Jahr 2035. Start-ups, deren Ideen an die Blockchain gebunden sind (siehe ALPORA Innovative Insights April 2017) tauchten allerdings nur am Rande auf: Der Hype hat anscheinend (vorübergehend?) ebenso an Flughöhe verloren wie der derzeitige Bitcoin-Kurs.

Der japanische Tech-Investor Softbank ist der Krösus unter den VC-Gebern: Die Mindestsumme eines Investments liegt bei 100 Millionen Dollar. Unterstützt werden Unternehmer mit kühnen Visionen, die potenziellen Leader von morgen. Insofern verfolgt die Softbank ähnliche Ziele wie ALPORA, das besonders innovative Unternehmen in unterschiedlichen Branchen und Regionen identifiziert, um daraus neue und erfolgreiche Anlageprodukte zu entwickeln.

Das 2013 gegründete Fintech-Unternehmen N26 hat ins Alltags-Klein-Klein der Bankgeschäfte von Privatleuten einen gewissen Sexappeal gebracht: „Wir haben die erste mobile Bank geschaffen, die Kunden lieben“, sagt Valentin Stalf, Gründer und CEO von N26. Die geliebte Bank flirtet äusserst erfolgreich vor allem mit der pausenlos mobilen und kostenbewussten Generation Smartphone. Das wurde im März 2018 mit 160 Millionen Dollar Risikokapital belohnt, dem Finanzierungsrekord deutscher Fintechs.

Fazit

Auf der NOAH treffen sich Kapital, Kontakte und Ideen, die Grundnahrungsmittel der Wirtschaft 1.0 bis 5.0. Sie entscheiden darüber, wer die Leader von morgen sind, was Hype, Trend, Megatrend sein wird. ALPORA nutzte bei NOAH die Chance, sich darüber auf dem Laufenden zu halten, und traf die besonders aussichtsreichen Kanditaten face-to-face. Auf der Konferenz bestätigte sich der von ALPORA wissenschaftlich bewiesene positive Zusammenhang zwischen Innovationskaft und wirtschaftlichem Erfolg von Unternehmen. Wenn die Innovationseuphorie der Gründungszeit anhält, haben die Start-ups gute Chancen, in die Innovationsfonds von ALPORA aufgenommen zu werden, zum Nutzen der Kunden.

NOAH geht weiter, im Oktober in London, im April 2019 in Tel Aviv. Wir halten Sie auf dem Laufenden.